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Fan-Katalog 2017/18
 
 
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BLOCK-A Fans des FC Erzgebirge Aue
ID Carfilm Bad Schlema
 
History
   
Vor zwei Jahrzehnten entschlossen sich drei Wismut-Fans in Aue einen Laden für Fußball-Fanartikel zu eröffnen.
Ein Rückblick
   
Die Initialzündung für die Eröffnung eines Fan-Shops kam zur Euro 1996 in England. Zusammen mit Burkhard „Burg“ Schulz und Uwe Nitzsche war ich unterwegs im Fußball-Mutterland. Wir sahen eine unvergessene EM mit leidenschaftlichen Fans und phantastischer Stimmung. Eigentlich fehlte nur der i-Punkt, der Titel. Wer jetzt irritiert ist und es nicht wissen sollte: Wir waren nicht wegen der deutschen Mannschaft dort. Egal, wir reisten nach dem Halbfinale zwar enttäuscht, aber auch mit Zuversicht ab. Denn auf der Rückfahrt nahm unser Plan Gestalt an: Wir eröffnen einen Fan-Shop in der Auer Innenstadt!

Seit der Wende waren wir durch etliche England-Reisen infiziert von der Leidenschaft der Fans. Neben den genialen Gesängen gefiel uns das besonders: Gefühlt jeder Zweite lief mit dem Trikot seines Vereins herum, egal ob am Spieltag oder in der Freizeit, ob im Pub oder im Supermarkt. Die Fan-Shops waren überfüllt - mit Fanartikeln und mit Kunden. Frustriert vom Angebot unseres eigenen Vereins (Fanartikel gab es nicht) reifte bei uns der Gedanke, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Wir hatten zwar deutlich weniger, aber ebenso leidenschaftliche Fans. Klar, wir spielten in der Regionalliga Nordost und unsere Gegner hießen Optik Rathenow und Reinickendorfer Füchse. Wir dümpelten bei einem Zuschauerschnitt von knapp über 2.000 im Mittelfeld herum und das letzte Meisterschaftsspiel im Mai 1996 gegen den Eisenhüttenstädter FC Stahl sahen gerade mal 700 Fans. Trotzdem waren wir von unserer Sache überzeugt, sahen Potential.

Ich erinnere mich an ein Treffen mit Burg im „Bistro Moments“. Bei ein paar Bierchen fachsimpelten wir und gingen relativ schnell in die Feinabstimmung: Wie meldet man ein Gewerbe an? Wo finden wir geeignete Räume? Wie kommen wir überhaupt an gute Hersteller? Selbst einen Telefonanschluss bekam man damals noch nicht im Handumdrehen. Die größte Frage aber lautete: Wie gehen wir auf den Verein zu? Wir kamen schnell zu dem Schluss, dass uns da nur einer helfen kann: Andreas Zeise.

Andreas, der gerade das Auer Fanprojekt gegründet hatte, war bekannt in der Auer Fanszene. Und er spann einen guten Faden zu Lutz Lindemann. Also riefen wir Andreas an. Seine ersten Worte: „Gut, dass Ihr Euch meldet, ich wollte eh mal mit Euch beiden reden. Was haltet ihr davon, wenn wir uns zusammentun und mal ein paar ordentliche Fanartikel herstellen lassen?“

Somit waren wir zu dritt. Voller Tatendrang nahm die Sache Fahrt auf. Einen Rückschlag erlitten wir bei unserem ersten Termin im Steuerbüro. Herr Dr. Kroll, der uns bis heute zur Seite steht, runzelte die Stirn als wir ihm das Projekt „Fan-Shop“ schilderten. Er wollte es uns nicht ausreden. Sachlich rechnete Dr. Kroll vor, welchen Umsatz wir Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat erzielen müssen, damit das ganze halbwegs funktioniert. Nun runzelten wir die Stirn. An unserer Entscheidung, eine GbR zur gründen, änderte sich jedoch nichts. Wir drei waren uns einig: Volle Kraft voraus!

Wir fanden in der Poststraße, direkt im Auer Stadtzentrum, unser erstes Domizil. Im Gebäude der ehemaligen SED-Kreisleitung, welches nach der Wende bis zum Bau der Postplatz-Galerie das Arbeitsamt beherbergte, sollte unser Laden entstehen. Der Raum war ziemlich versteckt und gefühlt nur 2 mal 2 Meter groß. Egal: Wir unterzeichneten unseren ersten Mietvertrag mit Rico Gebhardt, der mit seiner PDS-Stadtfraktion Nutzer des Gebäudes war. Rico, heute im Sächsischen Landtag tätig, glaubte an uns und wir erhielten einen fairen Mietvertrag. Dieser erleichterte uns den Schritt in die Selbständigkeit.

Andreas organisierte einen Termin beim Verein. Geschäftsführer Lothar Schmiedel und Vizepräsident Bertram Höfer zeigten sich sichtlich überrascht, als wir unser Anliegen schilderten. Sie entgegneten: „Wir haben doch einen Schal, warum wollt Ihr einen zweiten herausbringen? Und die Klamotten, welche unsere Spieler tragen, ... die wollt Ihr verkaufen? ... aha!“

Lutz Lindemann sprach schließlich ein Machtwort. Dies tat er in seiner typischen Art: „Lasst die drei Verrückten mal machen!“ Wir bekamen das Okay vom Vorstand, das FCE-Logo zu nutzen.

Nun warf jeder von uns dreitausend D-Mark in den Topf. Von diesem Startkapital kauften wir die erste Ware. Dabei handelte es sich zunächst um Bundesliga-Artikel, hauptsächlich vom FC Bayern und Borussia Dortmund. Andreas kannte den Fan-Shop-Chef vom FC Sachsen Leipzig, der bereits seit Jahren im Fanartikelbereich tätig war. Von ihm bekamen wir wichtige Tipps sowie einige Kontaktdaten von Bundesliga-Vereinen und zuverlässigen Herstellern. Zeitgleich begannen wir die ersten Aue-Fanartikel zu entwerfen. Dies war ziemlich abenteuerlich! Die handgezeichneten Skizzen wurden per Brief an die Hersteller versendet, da uns weder ein Telefon noch ein Faxgerät zur Verfügung stand. Das Ganze ging dann ein paar Mal hin und her, bis die Korrekturabzüge okay waren. Die Mannschaftstrikots orderten wir aus einer Telefonzelle. Zu dritt zwängten wir uns hinein und bestellten einen Schwung der lila Uhlsport-Shirts, je zur Hälfte mit den Schriftzügen „Bellheimer Bier“ und „Junghans Fenster“ bedruckt.

Nachdem wir unserem Laden einen neuen Anstrich verpassten, ihn mit Regalen und Artikeln bestückten, war es am 1. August 1996 so weit: Eröffnung!

Wir waren stolz! Es gab die üblichen Glückwünsche von Presse, Funk, Politik und natürlich von den Fans. Da wir aus der Fanszene kamen, bestand vom ersten Tag an ein „Wir-Gefühl“ - der Laden war der „Fan-Shop der Fans“. Erst die Gründung des Auer Fanprojektes, nun der Fan-Shop, an vorderster Front der charismatische Andreas Zeise. Die Auer Fanszene bekam Struktur und man spürte so etwas wie Aufbruchstimmung. Auch das Fanprojekt zog kurz darauf in der Poststraße 9 ein, wenig später öffnete dort noch die Kneipe „Fankeller“. Somit war das Gebäude rund um die Uhr der Treffpunkt der Auer Fans.

Der Fan-Shop wurde angenommen, jede eingenommene Mark in die Erweiterung des Sortiments gesteckt. Ein Meilenstein war die Produktion unserer ersten Bettwäsche, die rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 1996 eintraf. Schnell merkten wir, dass unser Verkaufsraum zu klein war. Wir kamen auf die Idee, den Vorraum im Eingangsbereich des Gebäudes zu einem Laden umzubauen. Dazu brauchte es Überzeugungsarbeit beim Vermieter. Wieder spielte Rico Gebhardt mit. In einer Hau-Ruck-Aktion bauten wir über Nacht eine Wand ein und es entstand ein zirka 25 Quadratmeter großer Raum. Diesen eröffneten wir am Morgen des 1. Dezember 1996.

Nach nur vier Monaten war dies so etwas wie ein „Quantensprung“. Wir hatten nun ordentliche Verkaufs- und Dekoflächen, ein Telefon mit Faxgerät (!) sowie im Obergeschoss einen kleinen Raum, welcher als Lager diente. So konnten wir professioneller arbeiten. Während Andreas ausschließlich im Laden stand, um zu verkaufen (eigentlich verkaufte er nur nebenbei, während er die Kundschaft unterhielt), agierten Burg und ich im Hintergrund. Unser Part war das Entwerfen neuer Produkte, die Warenbestellung, Buchhaltung sowie die Verkaufslogistik rund um die FCE-Heimspiele.

Unsere „Entwicklung“ in den Anfangsmonaten, dazu das langsam wachsende Fanartikel-Sortiment, ließ auch die anfänglichen Skeptiker beim FCE verstummen. Nun wurde schnell die Beteiligung des Vereins in Form von Lizenzen ein Thema. So kam es, dass wir noch vor dem Jahreswechsel 1996/97 unseren ersten Vertrag unterzeichneten. Obwohl wir selbst noch keinen Pfennig verdienten, führten wir ab 1. Januar 1997 monatlich Lizenzgebühren an den FCE ab.

In „unserer“ ersten Saison lieferte sich der FCE in der Regionalliga Nordost lange ein Duell mit dem FC Energie Cottbus. Diese Cottbuser Mannschaft, welche schließlich über die Relegation den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte und sogar ins DFB-Pokalfinale einzog, war letztendlich eine Nummer zu groß für uns. Wir landeten auf dem zweiten Platz. Die sportliche Entwicklung und der damit verbundene Anstieg der Zuschauerzahlen (von 2.400 auf 3.800 im Schnitt) halfen uns, den Fan-Shop einigermaßen über Wasser zu halten, ohne jedoch davon zu profitieren. Für uns kein Problem, da wir das Ganze nicht wegen des Geldes machten. Wir waren einfach nur stolz, für unseren Verein tätig zu sein und ordneten dem alles unter.

Da wir bei der Produktion unserer Artikel aufgrund von Anregungen unserer Kundschaft vermehrt das Wismut-Logo einsetzten, sprachen wir den Verein auf die markenrechtliche Situation an. Wir wussten, dass das alte BSG-Emblem nicht geschützt war und empfahlen unserem Vorstand, dies zu tun. Erneut waren Lothar Schmiedel und Bertram Höfer überrascht. „Aus welchem Grund sollen wir uns dieses Logo schützen lassen? Wir heißen doch gar nicht mehr Wismut!“ bekamen wir als Antwort. Wir warnten vor den Folgen, falls sich ein „Fremder“ diese Marken eintragen lassen würde. Ein Szenario, welches wir bereits von anderen DDR-Traditionsclubs kannten und welches hätte täglich eintreten können! Andere Marken von DDR-Vereinen wie „1. FC Lokomotive Leipzig“ und „BFC Dynamo“ waren damals bereits in den Händen westdeutscher Geschäftemacher, dasselbe drohte nun bei „Wismut Aue“! Daher sprachen wir dieses Thema innerhalb weniger Wochen mehrmals beim Vorstand an, jedoch erfolglos. „Meldet Ihr es doch an!“ lautete die abschließende, fast etwas genervte Antwort unserer Vereinsführung. Dies taten wir, obwohl wir uns diese Eintragung beim Deutschen Patent- und Markenamt gar nicht leisten konnten. Wir mussten es aber tun, bevor das Logo in andere Hände fiel und irreparabler Schaden entstand.

In den folgenden zwei Jahren ging es sportlich und somit auch zuschauermäßig wieder bergab (2.500 im Schnitt), was unserer geschäftlichen Situation nicht gerade half. Dies hatte zur Folge, dass Burg aus der GbR ausstieg, um wieder einer „normalen“ Tätigkeit mit entsprechender Entlohnung nachzugehen. Auf dem Papier waren wir ab sofort nur noch zu zweit, nach außen hin änderte sich allerdings nicht viel, denn Burg führte sein Engagement im Fan-Shop in seiner Freizeit fort.



Nun stand die Spielzeit 1999/2000 vor der Tür. Diese sollte richtungsweisend für den Verein und auch für uns werden. Sportlich galt es, sich für die neu geschaffene 3. Liga zu qualifizieren. Im Sommer 1999 war der FCE nach einem erfolglosen Engagement von Frank Lieberam auf Trainersuche. Die Gerüchteküche brodelte, immer wieder wurde ein Name genannt: Gerd Schädlich. Ein Name, der die Auer Fanszene spaltete. Einerseits waren die Qualitäten des ehemaligen Zwickauer Trainers bekannt, andererseits wurde er regelrecht gehasst. Seit der Wende passierten zu viele Dinge, die eine Zusammenarbeit eigentlich ausschlossen: Das Skandalspiel in Zwickau, der Brand im Auer Stadion und der Aufstieg des FSV Zwickau in die 2. Bundesliga ließen Gerd Schädlich zum Feindbild Nummer 1 der Auer Fans werden.

Andreas Zeise wollte Gerd Schädlich. In seiner Funktion als Fanbeauftragter tat er alles, um die Fans zu überzeugen. Noch bevor jemand vom FCE Kontakt zum damaligen Trainer des FSV Hoyerswerda aufnahm, traf sich Andreas mit Gerd Schädlich (beide wohnten in Chemnitz). Andreas erzählte uns von diesem Treffen. Gerd Schädlich war skeptisch. Die Ungewissheit, wie er als Aue-Trainer von den Fans aufgenommen würde, ließ ihn zögern, obwohl ihn die sportliche Aufgabe reizte. In seiner typischen Art versprach Andreas „das mit den Fans zu klären“. Nach dem Treffen gab Andreas die Telefonnummer von Gerd Schädlich an Lutz Lindemann und sagte: „Ruf ihn an. Gerd Schädlich will FCE-Trainer werden!“

Gerd Schädlich wurde am 1. Juli 1999 Trainer in Aue. Er verpasste der Mannschaft schnell ein neues Gesicht. Neuzugänge wie Jörg Kirsten und Harun Isa waren Erfolgsgaranten. Solche Transfers kannten wir bis dahin nicht! Schnell wurde jedem klar, dass die Verpflichtung Gerd Schädlichs ein genialer Schachzug war. Der FCE spielte guten Fußball, was die Zuschauer honorierten (bei vier Heimspielen wurde die 5.000er Marke geknackt). Dies spiegelte sich letztendlich auch in unserem Geschäft wieder. Erstmals konnten wir uns monatlich ein paar Mark auszahlen. Von „Lohn“ konnte zwar keine Rede sein, es war eher eine kleine „Aufwandsentschädigung“, aber immerhin! Mit Gerd Schädlich begann ein Aufwärtstrend in allen Bereichen. Das Saisonziel, Qualifikation zur neuen 3. Liga, war nie in Gefahr. Wir wurden Dritter und gewannen als i-Tüpfelchen erstmals den Sachsenpokal. Die Kritiker verstummten!

Das Erreichen der 3. Liga war ein gefühlter Aufstieg! Unsere Gegner hießen nun nicht mehr FSV Velten oder Türkiyemspor Berlin, sondern Fortuna Düsseldorf und Eintracht Braunschweig. Unser erstes Punktspiel im Westen fand am 19. August 2000 beim SC Verl statt. Die legendären Auswärtsfahrten begannen, fast überall bauten wir vor Ort am Gästeblock einen kleinen Verkaufsstand auf. Schritt für Schritt ging es weiter bergauf, dann das unfassbare: Der Mord an Andreas Zeise am 19. Dezember 2000.

Schockstarre.

Klar war, es musste weitergehen ... - irgendwie. Am Grab auf dem Schwarzenberger Friedhof sprach Präsident Uwe Leonhardt eine ergreifende Rede. Sie endete mit den Worten: „Der Fan-Shop Erzgebirge muss weiterleben“. Es begann eine schwere Zeit. Über Nacht wurde der Fan-Shop zur Einzelfirma. Ich musste mich der Situation stellen, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Allein die Abwicklung des Nachlasses dauerte mehr als 2 Jahre und hielt viele Überraschungen bereit. Sportlich verlief die Saison erneut erfolgreich. Am Ende landeten wir auf Rang 7 und ließen eine Reihe namhafter Teams hinter uns. Der Sachsenpokal konnte erfolgreich verteidigt werden, was erneut die Qualifikation für den DFB-Pokal bedeutete.

Zu Beginn der Spielzeit 2001/02 feierten wir unser erstes rundes Jubiläum: „5 Jahre Fan-Shop Erzgebirge“. Das klang irgendwie gut! Ein bisschen stolz blickten wir zurück auf eine ereignisreiche Zeit. Das Zeitalter der Computer begann (auch bei uns), so konnten wir unseren ersten Online-Shop an den Start bringen. In dieser Saison landete unsere Mannschaft im Tabellenmittelfeld. Die Verteidigung des Sachsenpokals gelang. Mit diesem Sieg am 31. Mai 2002 beim FSV Zwickau endete auch die Ära des Lutz Lindemann, welcher eine neue Herausforderung im Ausland suchte. Der FCE verdankte ihm viel, denn er leistete Enormes für den Verein. Dies galt auch für uns, da er uns vom ersten Tag an unterstützte.



Am 6. Juli 2002 spielte der FCE im Rahmen der Saisoneröffnung gegen eine Auswahl der „Freizeitkickerliga Aue-Schwarzenberg“. Die Neuzugänge wurden vorgestellt: Mirko Ullmann, Torsten Görke, Gregor Berger, Jörg Emmerich. Nichts deutete darauf hin, dass diese Saison legendären Status erlangen würde. Sie begann allerdings mit einer Naturkatastrophe. Vom Hochwasser im August 2002 war auch Aue betroffen. Das Wasser stieg Tag für Tag und riss schließlich die nur 150 Meter von unserem Geschäft entfernt liegende Schiller-Brücke mit sich. In der Nacht zum 13. August erreichte der Pegel die Eingangstür unseres Geschäfts. Nun wurde uns mulmig. Obwohl es zu unserer Ladentür noch ein paar Treppen hoch ging, begannen wir den Fan-Shop auszuräumen. Wir schafften die Ware im Haus ein Stockwerk höher und verbrachten die Nacht im Gebäude. Am nächsten Tag entspannte sich die Lage und wir konnten unseren Laden wieder einräumen.

Sportlich verlief die Hinrunde überraschend gut. Von Beginn an setzte sich der FCE in der Spitzengruppe fest, lange Zeit war man Tabellenführer. Doch ab November begann eine Schwächeperiode. Nach sechs Spielen ohne Sieg rutschten die Veilchen auf Rang 7 ab. Rot-Weiss Essen und der VfL Osnabrück kämpften um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Am 15. März 2003 spielten wir vor 250 Zuschauern bei den Amateuren von Werder Bremen. Knapp 40 (!) Auer Fans wurden Zeuge eines 3:2-Sieges, welcher der Beginn einer phantastischen Serie werden sollte. Der FCE eilte nun von Sieg zu Sieg. Nachdem der Chemnitzer FC im Bezirksderby vor 10.000 Zuschauern klar mit 3:0 geschlagen wurde, nahm das Thema „Aufstieg“ Konturen an. Da Essen und Osnabrück in der Schlussphase der Meisterschaft patzten, war die Sensation bereits am vorletzten Spieltag möglich! Am 1. Juni 2003 setzte eine wahre Völkerwanderung Richtung Dresden ein. Über 6.000 Auer (die meisten seit dem Freundschaftsspiel gegen Kaiserslautern 1956 in Leipzig) begleiteten den FCE zum Auswärtsspiel beim Dresdner SC. Auch wir machten uns mit unserem Fan-Shop-Mobil auf den Weg. Natürlich hatten wir eine ganze Ladung Schals und T-Shirts mit dem Slogan „Aufstieg 2003“ im Gepäck. Bei brütender Hitze gerieten wir in Rückstand, erste Zweifel machten sich bei uns breit. Was machen wir mit der ganzen Ware, wenn wir es doch nicht schaffen? Doch unsere Mannschaft erlöste alle Mitgereisten in der 2. Halbzeit und drehte das Spiel. Am Ende hieß es 4:1 und alle Dämme brachen. Unbeschreibliche Szenen spielten sich auf dem Rasen und den Rängen des Rudolf-Harbig-Stadions ab. Uns blieb keine Zeit zum Feiern, denn die ersten Fans belagerten mit dem Schlusspfiff unseren Bus. Mit vereinten Kräften verkauften wir unsere Aufstiegsartikel direkt aus den Kartons heraus. Nach einer Stunde traten wir ausverkauft die legendäre Heimreise an. Das ganze Erzgebirge schien auf den Beinen zu sein und lag sich in den Armen.

Die Woche vor dem letzten Saisonspiel zu Hause gegen die Amateure des BVB wurde zum Mega-Stress. Wir waren rund um die Uhr auf den Beinen. Im Vorverkauf gingen bei uns 8.013 Tickets über den Tisch (wir verkauften die Karten gleich im Eingangsbereich des Hauses) und im Fan-Shop war der Ansturm nur mit Einlass an der Ladentür zu bewältigen. Eine ganze Region befand sich im Ausnahmezustand - alle vom Veilchen-Fieber besessen. Unsere Produktbreite und das jahrelange Investieren ins Sortiment zahlten sich nun aus. Jetzt bestand unsere Hauptaufgabe eigentlich nur darin, genug Ware heranzuschaffen.

Natürlich schlugen wir auch Dortmunds Amateure und wurden Meister der Regionalliga Nord. Elf Siege aus den letzten 12 Spielen, eine beeindruckende Bilanz, gekrönt mit dem ersten Aufstieg in den Profifußball. Dieser wurde gebührend gefeiert, mit einem Autokorso durch die Stadt und einer sensationellen Party am Carolapark. Spieler wie Jörg Emmerich, Marco Kurth, Russi Petkov, Nikolce Noveski, Petr Grund, Khvicha Shubitidze und Matthias Heidrich waren nun Aufstiegshelden und machten sich 2003 unsterblich. Und natürlich unser Trainer: Gerd Schädlich.

Die Sommerpause verging wie im Flug. Keiner konnte den Start in die 2. Bundesliga erwarten. Es standen Reisen nach Nürnberg und Karlsruhe vor der Tür, alle waren happy. Wir bereiteten uns - wie immer - akribisch auf die neue Saison vor. Vieles wurde nun leichter. Hersteller, bei denen wir vor einem Jahr nicht mal einen Termin bekamen, empfingen uns nun mit offenen Armen. So ändern sich die Zeiten! Wir konnten jetzt Stückzahlen bestellen, die vorher utopisch waren. Somit erzielten wir bessere Einkaufspreise. Die Folge: Wir verdienten das erste Mal Geld - wohlgemerkt nach sieben (!) Jahren. Es dauerte nicht lange, schon lud FCE-Finanzchef Bertram Höfer zum Termin: „Wir müssen da mal was am Vertrag ändern ...“ Okay, wir änderten und erhöhten die Lizenzgebühr.

Die Verhandlungen mit Bertram Höfer und Uwe Leonhardt waren nie einfach, aber immer fair. Am Ende gab es einen Handschlag und beide Parteien gingen mit einem guten Gefühl auseinander. Bertram Höfer honorierte unsere Arbeit und unseren Einsatz für den Verein. Von ihm kamen auch mal aufmunternde Worte, das motivierte. Man war stolz, für den FCE zu arbeiten.

  

Die erste Zweitligasaison 2003/04 bleibt wohl für jeden Aue-Fan unvergessen: Über 11.000 Zuschauer im Schnitt, der erste Saisonsieg mit Randalen gegen Union, erstmals live im TV in Cottbus, Skerdi zaubert auf der Alm, der Sieg in Haching zu Weihnachten, Juskos erstes Tor im Schlamm von Regensburg, 5.000 Auer beim 1. FCN und in Fürth, Noveskis spätes Kopfballtor gegen Osnabrück, die Kantersiege in Oberhausen und Karlsruhe, der Wechselfehler in Lübeck, großer Saisonabschluss gegen Haching mit der Party in der Stadt. Auch für uns war diese Saison ein riesiges Erlebnis. Trotz Dauerstress konnten wir dieses Spieljahr in vollen Zügen genießen. Und nun 5 Euro ins Phrasenschwein: „Damals war die Welt noch in Ordnung!“



Die Sommerpause 2004 bedeutete für uns: Umzug in die Auerhammerstraße! Das Fanprojekt und wir, die letzten Mieter des Gebäudes, erhielten vom Eigentümer die Kündigung. Diese kam uns gerade recht, entsprachen doch die Bedingungen in der Poststraße nicht mehr der Zeit.

So eröffneten wir am 7. Juni 2004 unseren neuen Fan-Shop in der Auerhammerstraße 4. Der Verkaufsraum entsprach Bundesliganiveau! Die Arbeits- bedingungen verbesserten sich schlagartig, dieser Umzug war ein Meilenstein in der Fan-Shop-Erzgebirge-Geschichte.

Die Resonanz der Kundschaft überwältigte uns! Einerseits der vor der Saison nicht geglaubte Klassenerhalt, andererseits unser enorm breites Sortiment aufgrund unseres jahrelangen Engagements waren die Gründe dafür, dass 2004 das wirtschaftlich beste Jahr in der Geschichte des Fan-Shops wurde. Zu dieser Zeit warteten bereits Kunden vor dem Geschäft darauf, dass wir diesen um 9 Uhr öffneten. Diese Resonanz und unser „Erfolg“ hatte aber auch seine Schattenseiten: Neid.

Leute, die uns noch vor ein paar Jahren müde belächelten, als wir zu Spielen gegen Teams wie den FSV Wacker 90 Nordhausen bei Nieselregen unseren Pavillon aufbauten, um ein paar Feuerzeuge zu verkaufen, zeigten auf einmal mit dem Finger auf uns und wechselten die Straßenseite. Diese Erfahrung war Neuland für uns und nicht leicht zu verkraften.

Und dann kamen plötzlich die Vertreter. Wir bekamen täglich Anfragen. Jeder wollte Fanartikel verkaufen, jeder wollte Fanartikel herstellen, jeder wollte Fanartikel vertreiben. Angebote vom Kaliber „Schau mal, ich hab da was Schönes geschnitzt, das könnt ihr doch für mich mit verkaufen...!“ waren nun an der Tagesordnung. Eine besonders skurrile Anfrage klingt mir noch heute in den Ohren. Ein Vertreter stellte sich wie folgt vor: „Bisher haben wir ja den erzgebirgischen Posamenten-Pokal der Nordischen Kombination unterstützt. Nun möchten wir dem 1. FC ERZGEBIRGS AUE Gutes tun“. Da war es manchmal nicht leicht, die Fassung zu behalten und dem Gegenüber mitzuteilen, dass es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit ist. Dies wiederum stieß nicht bei jedem auf Verständnis und brachte uns nicht immer nur Freunde ein.

Ein weiterer unschöner Nebeneffekt des Booms im Sommer 2004: Der Tschechen-Markt. Ein Teil unseres Sortiments gab es ab sofort auf den einschlägigen Märkten jenseits der Grenze. Dort hingen ab sofort die Plagiate der Trikots von Real Madrid, Bayern München und Skerdis „Nr. 14“ nebeneinander. Zwar in fragwürdiger Qualität und teilweise mit Schreibfehlern, doch es verkaufte sich! So kam es, dass in der Spielzeit 2004/05 zirka ein Drittel (!) aller lila-weißen Fanartikel, die zu den Heimspielen im Stadion zu sehen waren, aus diesen Kanälen stammte.

Natürlich lud Bertram Höfer auch in diesem Sommer wieder zum Termin: „Wir müssen da mal was am Vertrag ändern ...“ Okay, wir änderten. Und erhöhten die Lizenzgebühr. Wir unterschrieben erstmals einen 5-Jahresvertrag.









Sportlich galt das Ziel „Klassenerhalt“ natürlich auch für die Spielzeit 2004/05. Aufgrund eines perfekten Starts (5:1 in Essen und 3:1 gegen 1860 München) hatte man von Beginn an einen Puffer zum unteren Tabellendrittel, kam nie in Not und beendete die Saison auf einem sensationellen 7. Rang. Dies honorierten auch die Zuschauer, der Schnitt stieg auf knapp 13.000. Selbst zu den Heimspielen gegen den 1. FC Saarbrücken und LR Ahlen pilgerten über 12.000 Zuschauer ins Erzgebirgsstadion!

Wir hatten uns gut in unserem neuen Domizil eingelebt und bis Ende August 2005 lief alles „nach Plan“. Doch dann begann der Wahnsinn: Die Auslosung zur 2. Hauptrunde im DFB Pokal bescherte uns den Rekordmeister FC Bayern München. Ab dem Moment, als die Loskugel mit dem Bayern-Emblem aufgeschraubt wurde, brach die Hölle los. Die Ticket-anfragen aus ganz Deutschland legten unseren Tagesablauf lahm, ein normales Arbeiten war nicht mehr möglich. Am 6. Oktober sollte der Ticketverkauf beginnen. Bereits am 5. Oktober um die Mittagszeit, also 19 Stunden vor Start des Vorverkaufs, bezogen die ersten Fans Quartier an unserer Ladentür - ausgerüstet mit Campingstühlen, Bierkästen und Holzkohlegrill. Nachts um 3 Uhr wurde die Auerhammerstraße gesperrt und um 5 Uhr reichte die Warteschlange bis zum Eingang der Stadtwerke in der Auer Mühlstraße. Um 9 begann der Verkauf, nach gut einer Stunde war der Spuk vorbei und die Kehrmaschine sorgte wieder für Ruhe und Ordnung auf der Auerhammerstraße. Das Spiel verloren wir unglücklich durch einen Kopfball Ballacks in der 80. Minute.

Zeit zum Verschnaufen blieb uns nicht, denn nur vier Wochen später stand das nächste Highlight dieser Saison auf dem Programm: Zum Punktspiel beim TSV 1860 München am 20. November 2005 reisten sage und schreibe 10.900 Auer in die Münchner Allianz-Arena. Mit dem Ticketverkauf und der Logistik rund um diese Völkerwanderung  - allein 104 Busse waren am Start - hatten wir alle Hände voll zu tun.

Die Saison 2005/06 endete erneut mit einem phantastischen 7. Tabellenplatz. Als man zu Weihnachten 2006 im oberen Tabellendrittel stand und der 3. Tabellenplatz zeitweise in Reichweite war, überraschte unsere Führung das Volk mit einem kühnen Projekt: Ein Modell einer 30.000-Mann-Arena wurde vorgestellt, zusammen mit der Aussage, das Thema „Erstliga-Aufstieg“ anzugehen. Uwe Leonhardt verkündete zur Weihnachtsfeier: „Ich hatte letztens einen Traum. Ich reise mit meiner Elf nach England. Zu einem internationalen Vergleich!“

Diese Entwicklung schmeckte nicht jedem, vor allem Gerd Schädlich war dies deutlich anzumerken. Er mahnte fast täglich, dass die Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga immer ein Geschenk und der Kampf gegen den Abstieg immer unser Tagesgeschäft ist.

Nur ein Jahr später, nach einem 0:5-Debakel bei 1860 München, auf Tabellenrang 15 stehend, warf Gerd Schädlich hin. Er wirkte ausgebrannt, erreichte die Mannschaft nicht mehr. Im Dezember 2007 ging nach siebeneinhalb Jahren eine große Ära zu Ende.



Nun wurde es erstmals nach der Wende personell „turbulenter“ im Erzgebirge. Man wollte das Ruder noch herumzureißen, dem drohenden Abstieg entgehen. Viele neue Spieler kamen in der Winterpause und ein neuer Trainer. Seitz? Jeder fragte sich: Wer ist Seitz?? Seitz Kündigung, Webers Verpflichtung, „Kampf dem Abstieg“-Shirts, Unvermögen, Pech ... Aus, vorbei - der Abstieg ließ sich nicht mehr verhindern.

„Wirst Du weitermachen?“, fragte mich Bertram Höfer in der Sommerpause 2008. „Selbstverständlich, warum denn nicht?“, antwortete ich sichtlich überrascht. Warum sollte man wegen eines Abstiegs aufhören, Fanartikel zu verkaufen? Die Spielklasse war nie ein Kriterium für uns. Außerdem hatten wir einen Vertrag!

Nach einem Jahr 3. Liga, der FCE landete im Tabellenmittelfeld, unterzeichneten wir im Sommer 2009 einen neuen 5-Jahresvertrag. Personell tat sich beim Verein einiges: Präsident Uwe Leonhardt trat nach 17 Jahren zurück und die Mannschaft startete mit einem neuen Übungsleiter in die Saison 2009/10 - Rico Schmitt hieß die „Sparvariante“. Er war der Mann mit nur einer Patrone in seinem Revolver! Zur allgemeinen Überraschung traf diese voll ins Schwarze und beförderte uns wieder in die 2. Bundesliga. Der Aufstieg 2010 kann mit dem von 2003 nicht verglichen werden. Emotional war das ganze wesentlich weiter unten angesiedelt, eine gewisse „Sättigung“ zu spüren. Dies spiegelte sich auch in den Zuschauerzahlen wieder. Die 2. Bundesliga, eigentlich eine große Sache für die kleine Stadt Aue, wurde leider irgendwie zur Normalität.

Auch die „Beziehung“ zwischen dem FCE und uns wurde kälter. Als Vizepräsident Stopp bei einem Sponsorentreffen in Schwarzenberg davon sprach, das Merchandising müsse deutlich verbessert werden, wurde schnell klar, wohin die Reise geht. „Wir verkaufen aktuell kein einziges Trikot über unsere Homepage!“ stellte Stopp fest. Richtig, der Verein hatte schließlich auch gar keinen Online-Shop! Grund: Es war vereinbart, dass unser Online-Shop mit der FCE-Homepage verlinkt wird. Dieser wurde vom FCE kurze Zeit später einfach abgeklemmt, ohne mit uns auch nur ein einziges Wort darüber zu wechseln.

Es begann die Zeit, in der sich der FCE immer weiter von seinen Tugenden entfernte. Stück für Stück verloren die Veilchen etwas vom Image, ein „besonderer Verein“ zu sein. Alles, was uns jahrzehntelang deutschlandweit Anerkennung und Respekt verschaffte, der Zusammenhalt, das „Wir-Gefühl“, die gern zitierte „FCE-Familie“ ging leider langsam verloren.

So war es auch nicht verwunderlich, dass im Bereich Merchandising „neue Wege“ eingeschlagen wurden. Wie diese jedoch beschritten wurden, ist mit „abenteuerlich“ noch wohlwollend umschrieben. Fast täglich wartete eine neue Überraschung auf uns und als man dachte, bereits alles erlebt zu haben, wurde man erneut eines Besseren belehrt. Doch es sollte ab Januar 2011 noch schlimmer kommen.

Das Handeln des neuen FCE-“Geschäftsführers“ aus Plauen setzte völlig neue negative Maßstäbe. Er kündigte kurzerhand bestehende befristete Verträge, ohne sich an einfachste juristische Regeln zu halten - von der Form ganz zu schweigen. Verträge sollten über Nacht nicht mehr das Papier wert sein, worauf sie standen. Leidenschaft, Enthusiasmus und „für den Verein“ alles zu geben, diese Werte gab es nicht mehr! Seit 2011 verlor der FCE viel von seiner Ursprünglichkeit - sehr viel, zu viel!

Die Jahre 2011 bis 2016 waren leider von sinnlosen juristischen Auseinandersetzungen mit dem Verein überschattet. Wir möchten an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen. Dies erfolgt zu gegebener Zeit, spätestens jedoch in fünf Jahren, wenn es heißt: „25 Jahre Fan-Shop Erzgebirge“.

Jetzt möchten wir „Danke“ sagen: Zu allererst an die Fans, ihr habt uns immer motiviert! Dank an alle Freunde und Weggefährten, die uns in den vergangenen 20 Jahren begleiteten und immer an uns glaubten! Dank an unsere Sponsoren und an die Vertreter des Vereins - die uns bis 2010 unterstützten. Das größte Dankeschön geht jedoch an meine Familie, Ihr seid die Besten!

In diesem Sinne - Glück Auf!

Euer Thomas Kaube

Im Gedenken an Andreas, Sylvia und Ede.

  


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